Bunte Anekdoten

Immer das passende Werkzeug

Hastig hatten wir die drögen Brocken heruntergeschluckt, die sie Frühstück nannten. Der Kaffee war so dünn, dass selbst ein Model von der Klump neidisch geworden wäre. Kaum hatte man auch nur einen Tropfen Milch in dieses Gebräu geschüttet, so wechselte die Farbe des Getränks in ein sattes weiß. Alles in allem konnte man nicht besser für einen harten Arbeitstag vorbereitet sein! Noch am Tag zuvor standen wir im Baumarkt und ich fragte: "Bernd, was brauchen wir? Was hast du nicht am Bunker?" Bernd überlegte angestrengt, doch fiel im nichts ein. "Wie sieht's denn mit einer Feile aus?" fragte ich noch, dessen bin ich mir ganz sicher. Wirklich ganz sicher!

"Hab' ich da!" antwortete er knapp und ich gab mich damit unglücklicherweise zufrieden. Nun stand ich also in der brennenden Hitze Ungarns und wartete auf Anweisungen.

"Du kannst da ja mal diese Steintreppe mit der Feile abschaben, damit wir sie dann anschließend neu streichen können - aber mach' das mal schön glatt!"

"Alles klar, dann hol' mir mal deine Feile," antwortete ich noch völlig ahnungslos. "Was machst du?"

"Ah, ich werde mal die oberen Zimmer vermessen und danach anfangen zu streichen," gab er zurück und verschwand für einen Moment.

Als er wieder zurück kam, packte mich das nackte Grauen. Wortlos reichte er mir seine grandiose Feile und verschwand sogleich wieder. Sicherlich war es ihm zu peinlich, noch meinen Kommentar abzuwarten. Der Schweiß lief mir in den Nacken. Ich kniff die Augen fest zusammen, zählte bis drei und öffnete sie wieder. Die Feile hatte sich jedoch nicht verändert! Sie blieb was sie war: Nicht größer als ein Streichholz... Gut, dachte ich: Immerhin hatte ich ja drei Wochen Zeit.

 

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