Bunte Anekdoten

Schlittenfahrt im Juli

"Na klar, ich helfe euch doch sehr gerne," höre ich mich erneut sagen. Vor einem guten Monat fragte mich mein bester Kumpel Bernd, ob ich nicht Lust hätte, mit Ihm und seiner Frau Kathi, dem Kaliber, nach Ungarn zu fahren. Sie hatten sich dort gerade ein kleines Ferienhäuschen am Balaton gekauft. Nun stehe ich zum ersten Mal vor diesem "schicken, kleinen Häuschen" - oder wie ich es nenne: Handwerkeralptraum im burschikosen Sozialismusschick und bereue meine Zusage. "Na klar, helfe ich" - ich bin ein verdammter Idiot! 

Nun gut, nun bin ich hier, nun gibt es kein Entrinnen. Da kann man nur noch das Beste aus der Zeit rausholen und hoffen, dass man abends mal schick in ein Restaurant eingeladen wird. Falls es hier so etwas überhaupt gibt. Gut möglich, dass wir hier noch selbst auf die Jagd gehen müssen. Bernd führt mich im Haus herum und erklärt, was wir alles machen müssen: Eine neue Wand hier, ein neuer Boden dort, zwei komplett neue Badezimmer, neue Wasserleitungen, neue Stromleitungen, das Dach ist undicht und muss ausgebessert werden, auf der einen Seite des Hauses klafft ein riesiges Loch in den Himmel... Das schicke, kleine Häuschen scheint mir ein richtiges Schnäppchen zu sein. Die Liste nimmt kein Ende und der erste Tag ist längst vorüber, während mir Bernd noch nicht einmal alles zu Ende erklärt hat. "Am Besten, wir fangen mal mit der Satellitenschüssel an - dann können wir zumindest abends schonmal etwas fernsehen." Mit diesen Worten drückt mir Bernd die Schüssel in die Hand und bedeutet mir, aufs Dach zu klettern. Wie in einem Western gucken wir uns in die Augen, doch Bernd gewinnt - er hält dem Blick länger stand und mir ist klar, dass ich es sein werde, der das steile, brüchige Dach zu erklettern hat. Um die ganze Sache abzurunden streicht sich Bernd genüsslich über die Plauze: "Du bist ja auch viel leichter - da ist es eine einfache Übung für dich, dort hinauf zu klettern." "Hast du denn etwas zum drunter legen," frage ich vorsichtig nach. "Warte kurz," meint Bernd und verschwindet im Bunker. Kurz darauf kommt er mit einer noch eingeschweißten Sonnenliegenauflage wieder heraus. Gerade als ich den Plastikschutz entfernen will brüllt mich der Bernd an:

"Waaaaaaaaas machst du denn da? Lass den Schutz da drauf, sonst geht die neue Auflage am Ende noch kaputt auf den Dachziegeln!" 

"Ja, aber mit dem Plastik auf den glatten Ziegeln ist die Auflage doch wie ein Schlitten auf der Rodelbahn," entgegne ich. "Willst du denn, dass ich mir den Hals breche?" Wieder schauen wir uns tief in die Augen...

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